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Gebietsbeschreibung

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Landschaft

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Tier- und Pflanzenwelt

- Landschaft -

Bild 1 vom ProjektgebietWestlich von Villach erhebt sich das Massiv des Dobratsch, auch Villacher Alpe genannt. Mit seinen 2.166 m stellt der Dobratsch die östlichste Erhebung der Gailtaler Alpen dar. Auf seiner Südseite werden große Flächen des Unteren Gailtals und des Hangfußes von Bergsturzmassen bedeckt. Die ausgedehnten Schuttmassen sind auf mehrere Bergstürze zurückzuführen, wobei das letzte Bergsturzereignis im Jahre 1348 von einem starken Erdbeben ausgelöst wurde. Insgesamt bedecken die Bergsturzmassen eine Fläche von 24 km2. Damit stellt die Schütt das größte Bergsturzgebiet der Ostalpen dar. Im Osten beginnt das Gebiet mit der Erhebung der Graschelitzen und endet im Westen an einer gedachten Verbindungslinie vom Breiten Kopf hinunter zur Ortschaft Saak in der Marktgemeinde Nötsch.

Die Bergsturzmassen überschreiten die Gail im Bereich des Steinernen Meeres und enden erst an der Dobrawa, einem kleine Rücken nordöstlich von Arnoldstein. Mehrere imposante Steilwände, die durch den Ausbruch der Bergstürze entstanden sind, thronen über dem Talboden. Immer wieder sind in das geschlossene Waldbild der Schütt kleine Wiesen eingesprengt. Zu ihnen gehören neben der Weinitzen und der Rauthwiese bei Oberschütt die Seewiese und einige kleine Wiesenflecke rund um den Almgasthof Schütt sowie nördlich der Ortschaft Arnoldstein. Innerhalb des Gebietes ist nur der Ort Oberschütt inmitten größerer landwirtschaftlicher Flächen gelegen. Das Bergsturzgebiet teilt sich geographisch auf drei Gemeinden auf: Villach im Osten, Nötsch im Westen und dazwischen Arnoldstein.

Anfang der Achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Unberührtheit der Bergsturzlandschaft ein jähes Ende gesetzt. Obwohl sich nach längerer Diskussion eine "naturschonende" Trassenführung durchgesetzt hat, schneidet sich heute ein breiter Autobahnkorridor der A2 Südautobahn tief in das "Steinerne Meer", das südlichste und wohl spektakulärste Ablagerungsgebiet des Bergsturzes. Dadurch wird auch das Natura 2000-Gebiet südlich der Gail zwischen Oberschütt (Osten) und Gailitzfluss (Westen) auf einer Länge von ca. 5 km geteilt.

- Klima -

Das südliche Kärnten, im besonderen die Karnischen Alpen, die Karawanken und das Gebiet des Gailtals, weist ein Viertel bis knapp die Hälfte mehr Niederschläge auf, als das restliche Bundesland. Hier macht der mediterrane Klimarhythmus seinen Einfluss geltend, der sich mit einem deutlichen Maximum der Niederschläge im Herbst bemerkbar macht. Im Winter gehen die Niederschläge deutlich zurück, wobei das untere Gailtal im Landesdurchschnitt hohe Niederschlagsmengen aufweist und auch sehr schneereich ist.

Besonders im Dezember und Jänner liegt die Talsenke der Schütt häufig in dichtem Nebel. Die damit einhergehende Temperaturumkehr senkt die Zahl der Frosttage im Vergleich zur Umgebung deutlich.

Die Tages-Temperaturschwankungen sind im Bergsturzgebiet sehr groß. Vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung erwärmt sich das Blockmaterial mit seinem schütteren Bewuchs enorm, in der Nacht wird die Wärme wieder ungehindert abgegeben. Die erwärmten Luftmassen steigen im windgeschützten Gebiet an den senkrechten Wänden hoch. Auf diese Weise können sich auf der Oberkante der Felswände, am Plateaurand des Dobratsch wärmeliebende Rasensteppen in bis zu 1.440 m Seehöhe ausbilden.

Die folgenden Klimadaten stammen von den Klimastationen Arnoldstein, die in unmittelbarer Nähe des Bergsturzgebietes liegt. Die Temperaturmittel liegen um -5 °C im Jänner, 18 °C im Juli und 8 °C im Jahresverlauf. Die Jahressumme des Niederschlags beträgt beachtliche 1344 mm. Die Zahl der Frosttage, das sind Tage, an denen die Temperatur zumindest kurzzeitig unter 0° sinkt, liegt in Arnoldstein bei 133 Tagen. Sommertage, also Tage an denen das Tagesmaximum 25 °C erreicht oder überschreitet, waren 43 zu verzeichnen. Mit 72 Nebeltagen liegt Arnoldstein noch deutlich im Einfluss des Villacher Beckens, weiters gibt es 136 Tage mit Niederschlag, 34 Tage mit Schneefall und 107 Tage mit Schneebedeckung.

- Geologie -

Bild 2 vom ProjektgebietDer Dobratsch ist mit 2.166 m Seehöhe das höchste und mit seinen schroffen Südwänden auch das imposanteste Bergmassiv der östlichen Gailtaler Alpen. Der Gipfel überragt die Gail im Süden um 1.600 m, das Bleiberger Tal im Norden immer noch um 1.200 m.

Das Dobratsch-Massiv gehört zur geologischen Einheit des Drauzuges. Es wird auf allen Seiten von Störungen begrenzt: im Süden (Gailtal) von der Periadriatischen Naht, im Norden von einer das Bleiberger Tal entlangziehenden Störung. Nach Westen sind die Gesteine des Dobratsch-Massivs vermutlich tektonisch auf die Gesteine des Karbon von Nötsch aufgeschoben. Nach Osten sind die Gesteine entlang von ungefähr Nord-Süd-verlaufenden Störungen treppenartig gegen das Villacher Becken abgesenkt und werden schließlich von der Drautal-Störung schräg abgeschnitten.

Das Dobratsch-Massiv wird vor allem aus Sedimentgesteinen des oberen Perms (Erdaltertum) und der Trias (Erdmittelalter) aufgebaut. An der Basis sind es klastische Sedimente. Die Hauptmasse der Sedimentgesteine besteht jedoch aus Kalken und Dolomiten, die durchwegs mariner Entstehung sind. Auch bis zu 100 m mächtige vulkanische Gesteine sind in die Sedimentabfolge eingeschaltet.

Bild 3 vom ProjektgebietDas Dobratsch-Massiv besteht aus zwei übereinanderliegenden Decken: Dobratsch-Gipfelscholle und Dobratsch-Basisdecke. Durch die Dobratsch-Überschiebung kommt es zu einer Schichtwiederholung ab dem Alpinen Muschelkalk. Die Basisdecke besteht aus einer Schichtenfolge, die von den Grödener Schichten bis zu den Raibler Schichten reicht, die Gipfelscholle besteht aus Alpinem Muschelkalk, Buntkalken und vor allem Wettersteinkalk, untergeordnet aus Raibler Schichten und Hauptdolomit. Die Sedimentgesteine liegen mit einer tektonischen Grenze auf Gailtalkristallin.

Die besondere Bedeutung des Dobratsch-Massivs liegt darin, dass die Gesteine der Trias (Erdmittelalter), vor allem der Mitteltrias, deutliche Unterschiede zum übrigen Drauzug (Gailtaler Alpen) aufweisen, jedoch starke Anklänge an die südalpine Trias der Karawanken zeigen.

Am Südabfall des Dobratsch-Massivs, vor allem im Bereich der Schütt, sind die Gesteine bis hinauf zum Wandfuß häufig durch Bergsturzmaterial und Hangschutt verdeckt. Nur vereinzelt, vor allem im Bereich von Rinnen und Murgängen, kommen die Festgesteine zum Vorschein. Im Talbereich überlagern die Bergsturzmassen die eiszeitlichen Lockersedimente der Gail.

- Tier- und Pflanzenwelt -

Bild 4 vom ProjektgebietDie Fauna und Flora der Schütt ist das Produkt einer langfristigen und komplexen Anpassung einzelner Arten an die dynamische, unberechenbare und karge Felslandschaft des wärmebegünstigten Kalkstockes Dobratsch, der als "Tor zum Süden" einer der letzten Vorposten der mediterranen Tierwelt in Österreich darstellt. Will man die Tier- und Pflanzenwelt der Schütt charakterisieren, kommt man um den Fachbegriff Sukzession nicht herum. Definitionsgemäß handelt es sich dabei um die Ablösung einer Tier- oder Pflanzengemeinschaft durch eine andere, in anderen Worten: ein Kommen und Gehen der Arten.

Sowohl die Schuttmassen als auch die südgerichteten Wände des Dobratsch beherbergen eine Reihe von naturkundlichen Kostbarkeiten. In den Jahren 1994 bis 1996 wurden umfangreiche zoologische und vegetationskundliche Untersuchungen durchgeführt, welche in der Publikation "Bergsturzlandschaft Schütt" (siehe "Weiterführende Literatur") veröffentlicht wurden. Im Zuge dieser Untersuchungen konnten u.a. über 700 Gefäßpflanzen (48 davon finden sich in der Roten Liste Kärntens), über 900 Schmetterlings- und 125 Vogelarten, davon 34 in Österreich gefährdet, festgestellt werden.

Bild 5 vom ProjektgebietBesonders prominente "Schüttbewohner" sind zum Beispiel die Illyrische Gladiole (Gladiolus illyricus) mit ihrem einzigen Vorkommen in Österreich, die sehr seltene Orchidee Sumpf-Glanzkraut (Liparis loeselii), die Smaragdeidechse (Lacerta viridis), die Hornviper (Vipera ammodytes) mit der größten Population ihrer Art in Österreich, der Deutsche Skorpion (Euscorpius germanus) und aus der Vogelwelt Zwerg-Schnäpper (Ficedula parva), Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), Wanderfalke (Falco peregrinus) und Uhu (Bubo bubo), sowie als Besonderheit der heimischen Fischfauna der Huchen (Hucho hucho) in der Gail. Fast die Hälfte der in der FFH-Richtlinie angeführten Fledermausarten konnte ebenfalls nachgewiesen werden, zum Beispiel die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), das Große Mausohr (Myotis myotis), die Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus), die Wasserfledermaus (Myotis daubentoni) und das Braune Langohr (Plecotus auritus), sowie als sogenannte Irrgäste aus südlicheren Regionen: die Großfußfledermaus (Myotis capacini) und die Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersi).

Unter Fachleuten berühmt ist das Bergsturzgebiet auch wegen seiner ausgedehnten Blockhalden (als ganz spezieller Lebensraum für angepasste Arten), seine besonderen, Waldtypen, wie Schwarzkiefern-Wälder, Hopfenbuchen-Manna-Eschen-Bestände oder Kiefern-Blockschuttwälder, oder auch wegen der vorhandenen blütenreichen Magerrasen und Feuchtrieder.